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USA

8.11.2006 0:11
US and A

Heute Nacht könnte sich entscheidendes verändern in den USA. Derzeit sind die Parlamentswahlen in vollem Gange. Sollten die Demokraten die Wahlen gewinnen, könnten Sie korrigierend auf George W. Bush und seine Republikanerhorde und deren Politik der letzten Jahre einwirken. Falls die Republikaner die Wahlen gewinnen, dann wird es nochmals zwei verlorene Jahre für die gesamte Welt geben.

Amerika ist ein Land, welches wir wohl so wenig verstehen können, wie den Irak, Iran oder das gesamte Afrika. Alle diese Länder und die Menschen die dort leben funktionieren einfach anders als wir. Wenn man sich vor Augen führt, dass ein Land zweimal den total überforderten und konzeptlosen George W. Bush mit seinen gefährlichen Einflüsterern Dick Cheney und Donald Rumsfeld wählt, ist das schon sehr schwer nachzuvollziehen. Amerika ist und bleibt ein Land der Gegensätze. Nirgends auf der Welt, auch wirklich nirgends hat man so viele Freiheiten wie in den USA  - trotz Patriot Act, Homeland-Security usw. Aufgrund der sehr antiamerikanischen Presse in Europa und auch in der Schweiz - mit Ausnahme der Weltwoche vielleicht (aber dieses Blatt ist grundsätzlich seit Jahren irgendwie auf komischem Kurs), den tendenziösen Filmen von Michael Moore und dem extrem tragischen Auftreten der USA im Irak, bekommen wir den Eindruck, Amerika sei inzwischen ein richtiger Polizeistaat geworden. Vereinzelt erscheinen in den Medien aber auch Berichte, die eben genau das Gegenteil vermitteln. Im letzten MAGAZIN des Tagesanzeigers ist ein solcher Bericht: Da beten in Washington Moslems in aller Öffentlichkeit und es stört niemanden. Schwule würde Bush am liebsten wohl verbrennen und trotzdem feiern diese ihre Gay-Parades. Umweltschutz scheint kein Thema zu sein und trotzdem gibt es Bundesstaaten mit fast strengeren Umweltschutzauflagen als hier in der Schweiz. Kreationisten wollen in Schulen die Schöpfungsgeschichte lehren - das steht gross in den Zeitungen - dass dies dann meist gar nicht realisiert werden kann steht dann irgendwo als Randnotiz. In NY gibt es beim Ground Zero Leute, die haben Stände aufgebaut und verbreiten Ihre Verschwörungstheorien zu 9/11. In Amerika kann man auch öffentlich verlangen, dass Bush als Kriegsverbrecher angeklagt werden muss - kein Problem. In Amerika darf John Kerry die Soldaten im Irak nicht als Hohlköpfe ohne Schulabschluss beleidigen, aber Republikaner dürfen ihn, den Vietnam-Veteran, in Werbespots beim letzten Wahlkampf als militärisches Weichei hinstellen. All das und noch viel mehr ist Amerika.

Amerika werden wir wohl nie verstehen, aber eines verstehe ich sehr wohl: Diese Pissgrinden bringen die gesamte Welt durcheinander und gefährden den Frieden auf ebendieser. Mit ihrem illegalen Krieg im Irak, welcher die Welt weder sicherer noch friedlicher gemacht hat, destabilisieren sie eine gesamte Region und öffnen dem Terrorismus Tür und Tor. Und wenn Bush die Todesstrafe, welche dieser Tage über Saddam Hussein verhängt wurde, als Zeichen von Demokratie würdigt, na dann gute Nacht. Aber es beweist einmal mehr, dass der Irak eine "Demokratie" nach den Vorstellungen der USA werden soll. Und das kann einfach nicht gut kommen. Meine Prognose: in 5 Jahren sind die USA raus aus dem Irak - aber nicht ohne vorher wieder einen, ihnen genehmen, Diktator einzusetzen. Die Geschichte wird sich wiederholen.

Und vor allem wird dieses Urteil den Hass auf die USA weiter stärken. Zynisch gesagt: Wenn Hussein, wegen der "lächerlichen" Zahl von 148 Toten zum Tod verurteilt wird, zu was müssten Bush und seine Komparsen verurteilt werden, welche im Irak inzwischen mehrere Zehn-, wenn nicht Hunderttausende von toten IRAKERN zu verantworten haben? Die Iraker haben diesen Krieg nicht gewollt. Auch hat die UNO diesen Krieg nicht gebilligt. Er ist und bleibt illegal und wurde mit Lügen zu legitimieren versucht. Wenn man in einem illegalen Krieg - einem Akt des Terrors quasi - so viele unschuldige Menschen, inklusive Frauen und Kinder umbringt und Leute foltert (Abu Ghraib) und dann weder angeklagt noch immerhin zur Rechenschaft gezogen wird, dann ist das Urteil gegen Hussein nichts anderes als ein riesengrosser Witz.

Es ist ja sowieso bedenklich wer wen als Diktator bezeichnet und vor ein Kriegsgericht zerrt. Milosevic zum Beispiel, ein ganz übler Bursche, welcher zurecht angeklagt wurde. Aber, weshalb wird der Regierungschef von China nicht angeklagt, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Könnte da etwa zuviel auf dem Spiel stehen? Ein afrikanischer Diktator ist da ein viel kleineres Übel und Den Haag kann sich wieder brüsten, was es da so tolles tut gegen die Barbaren auf der ganzen Welt. Oder die Mullahs im Iran? Die Königsfamilie in Saudi Arabien? Die Israelische Regierung in ihrem Holocaust gegen die Palästinenser. Ein Witz, alles ein riesengrosser Witz. Wir müssen uns nicht wundern, wenn wir die Armen und Schwachen dieser Welt gegen uns aufbringen, wenn wir so weitermachen. Der Westen regiert nach seinen Wertvorstellungen. Man stelle sich einmal vor, es wäre umgekehrt...

Jetzt gehe ich schlafen und hoffe einfach morgen aufzuwachen und von einem demokratischen Sieg in den US and A zu lesen.

Roger, 7. November 2006