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Sport - Archiv

26.6.2010 0:46
Chom breng sie hei!

Das darf doch einfach nicht wahr sein. Es ist unglaublich, was die Schweizer Nati heute an Nichtfussball gezeigt hat. Einen schwächeren Gegner hätte man nicht mehr auf den Platz schicken können. Honduras war ja mehr als unfähig aus ihren hochkarätigen Chancen ein Tor zu erzielen, die konnten nun wirklich nicht viel.

Und es ist genau das eingetreten, was ich befürchtet habe und was wir beim Mittagessen noch diskutiert haben. Die Schweiz hat nicht auf Angriff, nicht auf bedingungslosen Sieg gespielt. Aus unerklärlichen Gründen sass Hakan Yakin zu Beginn auf der Bank. Als er in der zweiten Halbzeit reinkam, wurde es plötzlich gefährlicher. Er war einer der Besten auf dem Platz. Wie kann man auf einen solchen Spieler verzichten? Und wenn er auch nur 45 Minuten laufen kann, das reicht.

Ich hätte zudem mit Nkufo, Derdiyok und Bunjaku begonnen. Alex Frei war zu lange verletzt, der bringt keine Leistung, das hat man heute wieder gesehen, kläglich. Nkufo ist zwar auch ausser Form, aber dank seiner Statur ein Brecher, der für Yakin gute Freistosschancen herausholen kann. Zudem ist Frei immer latent rotgefährdet, im Gegensatz zu Nkufo. Ich werde auch nie verstehen, wie man einen Egoisten, Lügner (Euro 2004) und zu Tätlichkeiten neigenden Spieler zu einem Captain und Vorbild einer Mannschaft machen kann. Frei ist erbärmlich und sicher kein Vorbild oder Champion wie er sich so gerne selber sehen würde.

Am meisten Freude hatte ich aber am kleinen Shaqiri. Der kam rein und gab gleich Vollgas. In Zukunft muss man auf solche Spieler setzen, Spieler die wollen und bereit sind. Die Mehrheit der Nati war es heute nicht. Und Frei, der so gerne ein Champion wäre, ein Antreiber, ein Kämpfer, naja, von dem war weder gegen Chile noch heute gegen Honduras etwas zu sehen. Seine Zeit ist vorbei, seit er zurück in die Schweizer Super-League kam. Dort ist halt einfach nicht Bundesliganiveau. Dort spielen aber ein Derdiyok und ein Bunjaku. Also gehören auch die aufs Feld!

Am Schlimmsten war aber, dass die Mannschaft keinen Kampfwillen und keine Leidenschaft gezeigt hat. Ähnlich wie Italien gestern (ebenfalls verdient in der Vorrunde ausgeschieden), haben sie sich einfach dem Schicksal gefügt. Sehr wahrscheinlich haben die überbezahlten Profis (welche wohl für den Sieg gegen Spanien schon eine fette Prämie kassiert haben) die Mannschaft aus Honduras total unterschätzt und der Sieg gegen Spanien ist ihnen in den Kopf gestiegen (auch wenn dauernd das Gegenteil behauptet wurde).

Ich habe nichts dagegen, wenn man ein Spiel verliert, auch nicht gegen einen schwächeren Gegner, wenn man aber ohne Leidenschaft, ohne absoluten Siegeswillen, ohne Bereitschaft zum Leiden in ein solch entscheidendes Spiel geht, dann kann ich das nicht akzeptieren. Solche Spieler sollen aus der Nati verschwinden und Platz machen für junge, hungrige Spieler wie den kleinen Xherdan Shaqiri!

Aber eigentlich hat es schon gegen Chile begonnen. Dieses unsägliche Gejammer über den Schiedsrichter. Ja, er war schlecht, aber der Volldepp war Behrami, der innerhalb weniger Augenblicke gleich zweimal seinen Arm in das Gesicht des Gegners in seinem Rücken drückte und vor allem beim ersten Mal eher noch schlägt. Man wusste ja, dass die Karten bei diesem Schiedsrichter locker sitzen. Auf so was muss die Mannschaft eingestellt werden. Ab der roten Karte war die Mannschaft definitiv von der Rolle und verlor zurecht gegen Chile mit  1-0.

Das Problem war aber, dass Behrami gar nicht aufs Feld gehört hätte, genauso wenig wie Alex Frei. Ich werde nie verstehen, weshalb Ottmar Hitzfeld – unbestritten einer der besten Trainer der Welt – die Mannschaft, welche gegen Spanien den grandiosen 1-0 Sieg im ersten Gruppenspiel feierte, verändert hat. Never change a running system! Es gab keinen Anlass dazu. Aus meiner Sicht eine Gefälligkeit an Alex Frei. Diesen Fehler muss Hitzfeld auf seine Kappe nehmen und vielleicht war das der entscheidende Fehler, der sich auch noch auf das Hondurasspiel ausgewirkt hat.

Schade und enttäuschend.

„Chom breng sie hei, Ottmar“!

Roger, 26. Juni 2010